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In love with a Gastronom

„Liebe Frau Jacobs, denken Sie daran: Am 14. Februar ist Valentinstag. Ihr Blumenmarkt Jeiss.“ Na danke für die Blumen. Oder auch nicht. Ich schließe leicht verärgert den Newsletter und widme mich wieder meinem Valentinstagsfrühstück. Lauwarmer Kaffee in einer wunderschönen Baumarkttasse, ein Käsebrötchen, da der Schinken nicht mehr gut war, und das Ganze im Schein meiner Bürotischlampe.  Fröhlichen Valentinstag!

5 Jahre Single. FÜNF Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet, und jetzt? Er muss arbeiten und das an unserem ersten Valentinstag. Und ich habe auch noch Susanne sein Restaurant empfohlen. Sie wird nicht nur einen tollen Abend  mit ihrer neuen Flamme verbringen sondern auch meinen Freund heute Abend länger zu Gesicht bekommen als ich. Ich freu mich ja sooooo für Sie – okay, jetzt schäme ich mich etwas  für meinen Sarkasmus. Ein bisschen neidisch bin ich ja schon, muss ich gestehen.  Wie kann er denn tatsächlich den Valentinstag vergessen, wenn er 50 Reservierungen für das Valentinstagsdinner hat? Ist das sein Ernst? Ich wusste ja, auf was ich mich hier einlasse. Weihnachten, Ostern, Silvester… besondere Tage an denen ich oft auf Ihn verzichten muss. Natürlich freuen sich die Gäste über seine Anwesenheit im Restaurant und er macht mit seinem Serviceteam viele, viele Verliebte glücklich. Aber was ist mit mir?

Okay, zugegebenermaßen liegt mir ja an Valentinstag nichts. Nur kommerzielle Absichten dahinter. Nicht alles was aus den USA kommt ist super! Volle Restaurants, überteuerte Blumen, nur knutschende Pärchen im Kino, man bekommt trotz strengem Diätplan Pralinen geschenkt und alle Singles werden bedauert. Was ist denn mit uns Frauen, die nicht single sind, aber trotzdem auf ihre Männer verzichten müssen? Schließlich muss auch jemand das Popcorn im Kino machen, mich retten wenn ich mich mal wieder daran verschlucke, die Kinokarte  verkaufen, das Essen danach kochen und servieren, löschen, wenn die Küche abbrennt… Wie viele Pärchen streiten sich denn, weil er wieder den Valentinstag vergessen hat. „Wann ist noch mal Valentinstag? Dieses Jahr früher oder?“ – Mein Gott, ist das denn so schwer? 14. Februar…  jedes Jahr übrigens.  Abonnier doch einfach mal den Newsletter von Blumenmarkt Jeiss, oder schau dir die unzähligen Werbeschilder an, die einfach ÜBERALL sind!

Nein, Valentinstag ist einfach nichts für MICH. Vor allem die Blumenpreise. Okay den Floristinnen gönne ich es ja. Wir sind doch an jedem Tag glücklich und verliebt! WIR brauchen keinen Valentinstag – das habe ich für uns beschlossen. Wir können uns jeden Tag sagen, dass wir uns lieben. Okay jetzt verfalle ich doch etwas in den Kitsch. Blumen kann er mir auch an jedem anderen Tag schenken. Das ist doch viel schöner. Und nicht so peinlich.

Es klopft an der Tür: „Guten Morgen, Blumenmarkt Jeiss. Ich habe eine Lieferung für… Amalia Jacobs?“

Oh mein Gott oh mein Gott oh mein Gott. Ich habe noch nie so einen schönen Strauß gesehen. Und dazu noch mein Lieblingschampagner.  Der war wahrscheinlich viel zu teuer – aber der Blick von meinem Kollegen Andreas der anscheinend den Valentinstag vergessen hat – unbezahlbar.

Ich öffne gespannt die beiliegende Karte: „Frohen Valentinstag. Ich freu mich auf heute Abend. Wenn es nicht so spät wird, können wir noch anstoßen.“ Meine Wangen glühen, er ist einfach der Beste.

 

Das Telefonklingeln reist mich jedoch schnell aus meinen Gedanken:

„Ich bin´s Sabine – der Arsch hat mich versetzt!“ Oh man die Arme…

„19 Uhr bei mir? Ich hab Champus da. Du bringst Sushi mit.“

„Du bist die Beste. Danke Süße!“

 

Ich ziehe eine lange Stilrose aus meinem wunderschönen Strauß, lege diese Andreas hin: „Der Jeiss macht vor deinem Feierabend zu. Nicht dass sie wieder sauer ist, wie letztes Jahr.“

 

Text: Amalia Jacbos

Angelika GörtzIn love with a Gastronom