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Die Geschichte meiner Vorsätze

Ich stehe am Fenster, trinke bereits meinen dritten Kaffee und komme mal wieder zu spät ins Büro. Ich schaue mir den Schneeregen an und beschließe, dass die miserablen Wetterbedingungen eine sehr gelungene Ausrede für ein Zuspätkommen sind. Denn stressen möchte ich mich jetzt auch nicht. Susannes WhatsApp-Nachricht hat meine Guten-Morgen Laune in den Keller katapultiert. Wie es mit meinen Neujahrsvorsätzen aussieht? Ernsthaft? Ich kann mich nicht einmal an all die Neujahrsvorsätze erinnern, mit denen ich in der Silvesternacht um mich geworfen habe.

Neujahrsvorsatz: Keine Neujahrsvorsätze in der Silvesternacht.

Ich schaue in meine erneut leere Kaffeetasse und meine Erinnerungen kommen langsam wieder. Weniger Kaffee trinken. Ja definitiv, einer meiner Vorsätze. Passt aber irgendwie nicht zu meinem Lebensstil. Morgens hektisch durch die Wohnung rennen mit einer Tasse beruhigenden Johanniskraut-Tees? Unrealistisch.

Neujahrsvorsatz Nr. 2: 10 Minuten früher aufstehen.

So langsam sollte ich doch mal los. Der Schneeregen wird immer stärker. Meine Ausrede gewinnt langsam an Wahrheit. Der Fahrer vor mir fährt natürlich 40 km/h anstatt erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Mir fällt ein weiterer Vorsatz ein: weniger fluchen. Ich muss grinsen, denn eigentlich mache ich das ganz gerne alleine im Auto.

Neujahrvorsatz Nr. 3: Weniger Ausreden benutzen. Damit komme ich eher klar.

5 Kilo abnehmen und mehr Sport treiben. Diese Vorsätze stehen seit gut 15 Jahren auf meiner Liste. Da ich mich aber für ganz besonders schlau halte, melde ich mich erst im März im Fitnessstudio an. Ich habe gelesen, dass die Studios am Anfang des Jahres ziemlich überlaufen sein sollen… Natürlich – denn wie sollte es anders sein – aufgrund der Neujahrsvorsätze. Also warte ich noch 2 bis 3 Monate, spare solange bares Geld. Und ich kann mir eine Zeit lang etwas gönnen.

Aber ab März ziehe ich es dann wirklich durch! Klar, ich werde dann etwas weniger Zeit haben, schließlich ist der regelmäßige Fitnessstudio-Besuch auch nicht zu unterschätzen. Und abends sollte ich dann noch etwas Gesundes für die Arbeit am nächsten Tag vorkochen. Und ich sollte keinen Alkohol mehr trinken.

Ich muss die Zeit bis März noch nutzen! Ein Kurzurlaub vielleicht, oder mal wieder schön Essen gehen?  Oder nochmal richtig feiern gehen. Solange ich noch was trinken darf. Schließlich werde ich meinen Kindern sicher nicht von den Nächten erzählen, in denen ich viel geschlafen habe. Oder von den Tagen, an denen ich mich gestresst und hungrig im Fitnessstudio abgestrampelt habe.

Mein letzter Vorsatz für dieses Jahr: Etwas für meine Gesundheit zu tun, nicht als das Ende meines Lebens zu betrachten.

Text: Amalia Jacobs

Angelika GörtzDie Geschichte meiner Vorsätze